Der vorliegende Beitrag basiert auf einem Korpus von 384 bislang bekannten villae rusticae und anderen ländlichen Siedlungsstellen des westlichen Treverergebietes mit spätantiken Siedlungsspuren.

Auf eine kurze Präsentation des aktuellen Forschungsstandes folgt eine Darstellung der wichtigsten Untersuchungsergebnisse betreffend die chronologische Entwicklung der spätantiken Besiedlung, die geograpische Verteilung der Siedlungsstellen, ihre bauliche Entwicklung sowie die Natur der spätantiken Besiedlung des ländlichen Raums.

Zwischen den vier modernen Nationalstaaten, die sich heute den Untersuchungsraum teilen, lassen sich erhebliche Unterschiede bezüglich Forschungsstand und Zugänglichkeit der archäologischen Daten feststellen. Das Staatsgebiet des Grossherzogtums Luxemburg bietet dank der systematischen Erfassung aller antiken Fundm?nzen sowie aufgrund ausgedehnter systematischer Prospektionsprogramme zur Zeit die besten Voraussetzungen für eine Untersuchung der spätantiken Siedlungsverhältnisse im westlichen Treverergebiet.

Mit den Wirren der zweiten Hälfte des 3. Jahrhunderts in Zusammenhang stehende Zerstörungen sind im gesamten Untersuchungsgebiet nachweisbar. Es wäre jedoch falsch, dieses Phänomen zu verallgemeinern, vielmehr ergibt sich der Eindruck einer mikroregional sehr unterschiedlichen Dichte und Intensität. Der Prozess der Auflassung ländlicher Siedlungsstellen setzt sich während des gesamten 4. Jahrhunderts fort, allerdings mit stark unterschiedlicher Intensität in den einzelnen zeitlichen Abschnitten. Der fortschreitende Rückgang der Zahl ländlicher Siedlungsstellen scheint einher zu gehen mit einer Konzentration der Besiedlung in einigen besonders gönstigen Siedlungsräumen.

Insgesamt erweist sich die erste Hälfte des 4. Jahrhunderts als eine Periode des relativen Wohlstands und des Wiederaufblühens des ländlichen Raumes. Bis zur Jahrhundertmitte bleiben Hinweise auf qualitativ hochwertige Wiederaufbau- und Reparaturarbeiten sehr zahlreich. In vielen Fällen sprechen sie sogar für eine Vergrösserung oder Verbesserung des aus der mittleren Kaiserzeit übernommenen Baubestandes. In der zweiten Hälfte des 4. Jahrhunderts mehren sich dagegen die Anzeichen für den Niedergang der ländlichen Siedlungsstellen. Während grossangelegte Instandsetzungsarbeiten nun ausbleiben und bestimmte Infratsrukturen - etwa Bäder - aufgegeben werden, lassen sich für zahlreiche Siedlungsstellen schlecht ausgeführte Ausbesserungsarbeiten nachweisen. In einer ganzen Reihe von Fällen werden in der zweiten Jahrhunderthälfte auch Teile früherer Wohngebäude einer wirtschaftliche Nutzung zugeführt.

Mehr als zwei Drittel der zu Beginn des 4. Jahrhunderts noch bewohnten Siedlungsstellen werden bereits vor dem Ende des Jahrhunderts endgültig aufgelassen. Für fast alle übrigen endet die Besiedlung nach heutigem Kenntnisstand endgültig in den ersten Jahrzehnten des 5. Jahrhunderts.