Landwirtschaftliches Gerät, Bewirtschaftungs- und Anbaumethoden

Eine Reihe von antiken Autoren überliefern uns Kalender der im Jahresverlauf auf einem Gutshof anstehenden Tätigkeiten, so etwa Varro und Columella, aber auch Plinius der Ältere und Palladius. Aber alle diese Texte beziehen sich, wie wir bereits mehrfach betont haben, auf Italien. Als Quellen für Gallien stehen uns dagegen bildliche Darstellungen auf Grabsteinen sowie auf einigen wenigen Reliefs und Mosaiken zur Verfügung, so z.B. auf dem berühmten Mosaik von Saint-Romain-en-Gal (Rhône) aus dem 1. Viertel des 3. Jh. n. Chr., auf dem Mosaik von Orbe (Schweiz), dessen Entstehung etwa in den Zeitraum von 200-230 n. Chr. datiert werden kann, sowie auf den Reliefs im Gewölbe des Bogens von Reims (der sogenannten Porte de Mars) aus dem Ende des 2. oder dem Anfang des 3. Jh. n. Chr.

Neben diesen schriftlichen und bildlichen Informationsquellen sind es natürlich vor allem die archäologischen Ausgrabungen, die uns Aufschluss über die landwirtschaftlichen Tätigkeiten liefern.

Für eine Reihe von landwirtschaftlichen Arbeiten wurden wie in der Eisenzeit auch in der römerzeitlichen Landwirtschaft weiterhin die Hacke (sarculum) und die Harke (bipalium) benutzt, so etwa zum Auflockern der Erde zwischen den Weinstöcken bzw. zwischen den Schößlinge. Auch Spaten, Rechen und Heugabel sind als landwirtschaftliche Arbeitsgeräte überliefert. Die Egge ist wie es scheint eine römische Erfindung. Sie sparte natürlich im Vergleich zum Einsatz der Hacke sehr viel Arbeitskraft. Das Dreschen des Getreides erfolgte mit Hilfe von Dreschstöcken oder von Dreschsparren aus Holz.

Das wichtigste Arbeitsgerät des römerzeitlichen Bauern war jedoch der Pflug. In weiten Teilen des römischen Reiches handelte es sich dabei allerdings nicht um den erst seit dem Mittelalter bekannten asymmetrische Pflug, sondern um einen symmetrischen Hakenpflug ohne Räder mit einem Sterz und einem langen Deichselbaum, dem sogenannten aratrum. Allerdings liegen für Gallien die Dinge nicht ganz so einfach. Der römische Schriftsteller Plinius d. Ä. erwähnt in seiner naturalis historia (N.H. XVIII, 172-173) einen besonderen Pflug, plaumoratum in Rhaetia gallica, welcher Räder sowie eine Pflugschar in Schaufelform aufweise. Bei den Rädern dieser Pflüge dürfte es sich um kleine, unmittelbar am Pflugbaum befestigte Scheibenräder gehandelt haben. Erst in der Spätantike scheint dann langsam der eigentliche Radvorgestellpflug Verbreitung gefunden zu haben.

Daß die in Gallien eingesetzten Pflüge offenbar technisch besonders weit entwickelt waren, zeigen auch die archäologischen Funde. Bereits mehrfach wurden römerzeitliche Pflugscharen mit “Ohren” gefunden, ebenso zahlreiche Kolter, also Eisenmesser, die die Erde vor der eigentlichen Pflugschar aufreißen. Zudem weisen zahlreiche römerzeitliche Pflugscharen aus Gallien asymmetrische Abnutzungsspuren auf, ein archäologischer Beweis für das in schriftlichen Quellen belegte Verfahren, durch mehrfaches (die antiken Autoren geben bis zu 9 Durchgänge an) sowie kreuzweises und asymmetrisches Pflügen die Nachteile der symmetrischen Pflugschar zumindest zu verringern.

Als Zugtiere wurden ausschließlich ins Joch gespannte Ochsen (aber auch Stiere und Kühe) benutzt,(auch zwei oder drei Paar gleichzeitig) und nicht, wie seit dem Spätmittelalter, Pferde. Die Erklärung dafür liegt allerdings nicht in erster Linie, wie früher angenommen, in unzureichenden Anschirrverfahren, sondern im besonderen Ansehen, das Pferde in der antiken Gesellschaft genossen sowie in den damals bekannten Pferderassen.

Getreide wurde mit der Sichel ( falx rostrata oder falx denticulata) geerntet, Heu dagegen mit der Sense (falx faenaria). Beim Getreide sind, je nach Strohbedarf, unterschiedliche Schneidetechniken belegt. Bislang nicht archäologisch nachgewiesen, aber durch eine Reihe von leider nur fragmentarisch erhaltenen Reliefdarstellungen bekannt, ist ein Gerät, das für Nordgallien und speziell für die Remer und Treverer charakteristisch gewesen zu sein scheint und das auch bei den Schriftstellern Plinius und Palladius erwähnt wird. Es handelt sich dabei um eine vallus genannte Erntemaschine: ein in ein Radgestell eingehängter Kasten ist nach vorne, in Fahrtrichtung, mit langen Zähnen versehen. In diese schieben sich die Ähren und werden bei der Weiterfahrt abgerissen.

Archäologisch nur sehr schwer nachweisbar sind die römerzeitlichen Methoden der Landbewirtschaftung. Hier sind wir somit wiederum fast völlig auf die Erwähnungen bei antiken Schriftstellern angewiesen. Als wichtigste landwirtschaftliche Bewirtschaftungsmethode scheint ein zweijähriger Zyklus mit Rotation der Nutzpflanzen sowie mit oder ohne Brache üblich gewesen zu sein. Die Brache wurde als Weidefläche (natürliche Düngung !) genutzt, vor allem für Schafe, deren Zucht im Treveregebiet eine wichtige Rolle spielte. Erwähnt werden gerade für Gallien aber auch Maßnahmen zur Verbesserung der Bodenqualität , etwa das Abbrennen der Wildpflanzen auf der Brache oder der Stoppeln auf den abgeernteten Feldern, das Einbringen von Asche sowie von Kreide und natürlichen Phosphaten und das Einbringen von Mist. Der Mist wurde nach Aussage der Schriftquellen nach dem ersten Pflügen auf das Feld gebracht und dann beim zweiten Durchgang untergepflügt.

Der Getreideanbau konnte sowohl nach Arten getrennt, als auch im Gemenge (z.B. Einkorn oder Emmer mit Dinkel) erfolgen. Die wenigen bislang zur Verfügung stehenden archäobotanischen Untersuchungen von römerzeitlichen Getreidevorräten zeigen, dass die Veunreinigung durch Unkraut relativ gering gewesen ist.