Die Kulturpflanzen

Die Frage, welche Kulturpflanzen in der römerzeitlichen Landwirtschaft in unseren Gegenden angebaut wurden, läßt sich mit Hilfe der schriftlichen Quellen nicht beantworten. Die Angaben der römischen Agrarschrifsteller beziehen sich sämtlich auf Italien und können daher nicht ohne weiteres auf Nordgallien übertragen werden. Erschwerend kommt hinzu, daß die Bedeutung der in den antiken Texten genannten Begriffe für die einzelnen Kulturpflanzen, gerade auch was das Getreide betrifft, von einem Autor zum nächsten stark schwankt. Auch die bildlichen Darstellungen, etwa auf Keramikgefäßen oder Steinreliefs, sind bei der Beantwortung unserer Frage nicht von Nutzen, da sie zu ungenau und zudem äußerst stereotyp sind. Somit bleibt vor allem die Archäologie als Informationsquelle, genauer die Untersuchung von bei Ausgrabungen gefundenen Makro- und Mikroresten im Rahmen der sogenannten Archäobotanik.

In römischer Zeit wurden in Nordgallien ausweislich der Ergebnisse der archäobotanischen Untersuchungen vor allem drei Getreidepflanzen angebaut: Saatweizen, Roggen und Dinkel. Hinzu kamen als weitere Spelzweizen-Arten noch Emmer und Einkorn sowie des weiteren auch Hafer und Gerste. Letztere fanden, anders als heute, auch als Grundnahrungsmittel Verwendung. Der durch seinen Spelz geschützte Dinkel liess sich viel besser als Weizen auch über längere Zeit aufbewahren. Allerdings benötigte man zu seiner Entspelzung sogenannte Darren, d.h. Ofeneinrichtungen, in denen bei geringer Hitze langsam der Speltz entfernt wird. Eine Reihe solcher Anlagen wurde archäologisch untersucht, häufig sind sie besonders im südlichen Deutschland. Bei einigen der untersuchten Anlagen kann es sich allerdings auch um Malzdarren handeln, die zur Bierherstellung benötigt wurden. Der für Pilzbefall sehr viel anfäligere Saatweizen erforderte dagegen zu seiner längeren Aufbewahrung gut durchlüftete Speicherbauten, die sogenannten horrea.

Aufs Ganze gesehen war für die treverischen Landwirte sicherlich der Anbau von Weizen und Gerste der wichtigste Wirtschaftszweig. In den bislang vorliegenden Analysen aus Rheinland-Pfalz überwiegen dagegen Spelzgetreidearten, vor allem der Dinkel (meist 70-90 Prozent), ihm folgen Emmer und Einkorn. Die anderen Getreidearten treten daneben völlig zurück. Allerdings betreffen diese Analysen nicht das Treverergebiet. Man kann annehmen, daß bei den Treverern aufgrund der seit der Eisenzeit wichtigen Pferedzucht auch Gerste und Hafer stärker verteten gewesen sind.

Neben den erwähnten Getreidearten spielten aber auch Hülsenfrüchte eine grosse Rolle.

Nachgewiesen werden konnte der Anbau von Erbsen, Linsen und Ackerbohnen. Als wichtige wirtschaftliche Ergänzung wurden auch Ölfrüchte angebaut. Archäobotanisch belegt sind Lein, Leindotter und Mohn; der römische Schriftsteller Plinius erwähnt für Gallien in diesem Zusammenhang auch Sesam (vela).

Eine nicht geringe wirtschaftliche Bedeutung hatte für die landwirtschaftlichen Betriebe der Römerzeit in unseren Gegenden auch der zu jedem Gut gehörige Waldbestand. Er diente zur Holzausbeute, aber auch als Jagdgebiet sowie als Weidegrund für die Tierherden. Es handelte sich den Pollenanalysen nach zu urteilen vorwiegend um einen Eichenmischwald mit starkem Buchenanteil. Im Gegensatz zu heute spielte die Fichte im römerzeitlichen Baumbestand dagegen nur eine sehr untergeordnete Rolle