4. Zur Rolle von Siedlungen und ländlichem Raum in der Verhüttung und Verarbeitung von Eisen
Es ist hier nicht der Ort, die bislang bekannten Verhüttungsplätze und verarbeitenden Werkstätten Nordgalliens und des Rheinlands darzustellen, zumal dies zum Teil bereits an anderer Stelle erfolgt ist (20).
Im Folgenden soll vielmehr der Versucht gemacht werde, auf der Grundlage der bis heute bekannten eisenmetallurgischen Fundstellen der römischen Kaiserzeit die Rolle des ländlichen Raumes einerseits, der vici und Städte andererseits bei der Produktion und der Verarbeitung von Eisen kurz zu beleuchten (21).
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Stellt man die bislang aus dem ländlichen Raum und den Siedlungen bekannten eisenverhüttenden und eisenverarbeitenden Werkstätten gegenüber, so ergibt sich folgendes Bild (22) :
| Werkstätten des ländlichen Raums | Verhüttung | Verhüttung und Verarbeitung | Verarbeitung |
| Frühe Kaiserzeit | 4 | 0 | 3 |
| Mittlere Kaiserzeit | 2 | 1 | 1 |
| Spätantike | 2 | 4 | 3 |
| o. A. | 22 | 3 | 0 |
| Total | 30 | 8 | 7 |
| Werkstätten in vici, Lagerdörfern und Strassenstationen | |||
| Frühe Kaiserzeit | 0 | 0 | 9 |
| Mittlere Kaiserzeit | 0 | 3 | 13 |
| Spätantike | 0 | 1 | 0 |
| o. A. | 4 | 10 | 29 |
| Total | 4 | 14 | 51 |
Von den insgesamt 69 erfassten Werkstätten aus Siedlungen hat somit nur ein rund ein Viertel Hinweise auf Verhüttungstätigkeit geliefert. In der Regel handelt es sich dabei um Verhüttungsschlacken in relatif geringen Mengen (23), grosse Schlackenhalden oder Verhüttungsöfen sind nur für wenige Fundstellen nachgewiesen. Die grosse Mehrzahl der in Siedlungen nachweisbaren Werkstätten war offensichtlich auf die Weiterverarbeitung von Eisen spezialisiert, das entweder als Roh- oder als Barreneisen (Crew 1994 und 1994a , Doswald 1994) bezogen wurde. Rund ein Drittel der Siedlungen mit eisenverarbeitenden Werkstätten hat zudem auch Hinweise auf die Verarbeitung anderer Metalle - in der Regel Buntemetalle - geliefert.
Demgegenüber haben wenn man von den einfachen Reparaturschmieden in den Gutshöfen einmal absieht über 80 % der Fundstellen im ländlichen Bereich auch oder - in den weitaus meisten Fällen - sogar nur Indizien für die Verhüttung von Eisenerzen geliefert. Werkstätten, für die ausschliesslich die Weiterverarbeitung von Eisen belegt ist, sind im ländlichen Raum äusserst selten anzutreffen, fast die Hälfte gehört zudem der Spätantike an (Polfer 1999a, xx-yy). Noch geringer ist die Zahl eisenmetallurgischer Fundstellen aus dem ländlichen Raum, für die auch die Verarbeitung von Buntmetallen belegt ist (24).
Leider verfügen wir zur Zeit nur für einen kleinen Teil der aus Nordgallien und dem Rheinland bekannten eisenmetallurgischen Werkstätten über nähere Angaben zur Datierung, so dass für eine statistische Auswertung leider noch keine ausreichende Grundlage vorliegt. Dennoch dürfte es wohl kein Zufall sein, dass von den datierbaren Fundstellen im ländlichen Bereich ein grosser Teil (45 %) der Spätantike angehört, während bei den in geschlossenen Siedlungen gelegenen Fundstellen der Anteil in die Spätantike datierbaren Werkstätten sehr gering ist.